
„Präventionator“ Timo Schüsseler in der Mensa der HGH
Suchtprävention, die unter die Haut geht
Timo Schüsseler zu Gast an der Harkenberg Gesamtschule Hörstel
Hörstel. Am Montagmorgen verwandelte sich die Mensa der Harkenberg Gesamtschule Hörstel in einen Ort gebannter Stille. Der gesamte 8. Jahrgang war in der ersten und zweiten Stunde zusammengekommen, um einem ganz besonderen Gast zuzuhören: Timo Schüsseler. Im Rahmen der schulischen Suchtprävention berichtete der ehemals Suchtbetroffene schonungslos ehrlich und authentisch aus seinem Leben. Ende Januar hatte bereits Kriminalhauptkommissar Frank Drath aus Rheine vom Kommissariat für Vorbeugung (Kreispolizeibehörde Steinfurt) die Schülerinnen und Schüler, um im Rahmen der Suchtprävention anschaulich aus seiner Arbeit zu berichten.
Schüsseler, der bundesweit an Schulen auftritt und sich selbst augenzwinkernd „Präventionator“ nennt, nahm die Schülerinnen und Schüler mit auf eine emotionale Reise. Er schilderte eindrücklich seinen schleichenden Weg in die Sucht und den tiefen Absturz, der ihn beinahe das Leben gekostet hätte. Doch im Zentrum seines 90-minütigen Vortrags stand vor allem die unbändige Hoffnung und der harte Kampf zurück in den Alltag.
Ein zentraler Baustein seiner Aufklärungsarbeit ist die Entmystifizierung der Sucht. Schüsseler macht unmissverständlich klar, dass eine Sucht keine vorübergehende Schwäche, sondern eine chronische, unheilbare und potenziell tödliche Krankheit ist. Dabei räumt er mit dem Irrglauben auf, dass es Betroffenen primär um die jeweilige Substanz geht. Seine Kernbotschaft lautet: „Ich bin süchtig nach dem Gefühl, nicht nach dem Stoff.“
Um die komplexen Mechanismen der Sucht für die Jugendlichen greifbar zu machen und sie für Warnzeichen eigenen Suchtverhaltens zu sensibilisieren, schlägt Schüsseler den Bogen direkt in ihren eigenen Alltag. Er beschränkt sich in seiner Präventionsarbeit nicht nur auf Alkohol, Nikotin und illegale Drogen, sondern nimmt auch stoffungebundene Süchte wie den exzessiven Medien- und Gaming-Konsum ins Visier.
Durch kleine Gedankenexperimente, etwa die Vorstellung, für mehrere Wochen komplett auf das Smartphone, die sozialen Medien oder die geliebte Konsole verzichten zu müssen, durchbricht er die anfängliche Distanz der Schülerinnen und Schüler. Plötzlich wird spürbar: Die Gefahr einer Abhängigkeit und das starke Verlangen nach dem nächsten „Dopamin-Kick“ sind oft viel näher, als man glauben möchte. Diesen Dopaminkick benötige er heute immer noch und sei ein Grund für seine rastlose Präventionsarbeit und seinem Bedürfnis nach Anerkennung vor Publikum.
Mittlerweile hat der Autor und Präventionsreferent sein zweites Buch mit dem passenden Titel „Ein neues Leben geht weiter“ veröffentlicht. Seine Botschaft an die Achtklässler war klar: Jeder kann in eine Abhängigkeit rutschen, aber es lohnt sich immer, für ein selbstbestimmtes Leben zu kämpfen.
Am Ende seines Vortrages bot Timo Schüsseler Raum für die Fragen der Jugendlichen und beantwortete diese schonungslos und ehrlich. Lehrerin und Organisatorin Beate Uhlenbruch zieht nach der Veranstaltung, die in das Präventionskonzept der Schule eingebettet ist ein durchweg positives Fazit: „Wo rein theoretische Präventionskonzepte oft ins Leere laufen, hinterlässt die ungeschönte Authentizität des ,Präventionators‘ einen nachhaltigen Eindruck. Er beweist, dass Veränderung möglich ist und dass wahre Stärke darin liegt, sich den eigenen Gefühlen zu stellen, anstatt vor ihnen zu flüchten.“
Ermöglich wird die Veranstaltungsreihe durch eine großzügige Unterstützung des Fördervereins der HGH.







